25 Nuhnewiesen

Die weite, flache Nuhneaue stellt mit ihren Talhängen das landesweit größte zusammenhängende Mähwiesen-Gebiet dar. Hier brütet die größte Population des Braunkehlchens in Nordrhein-Westfalen.

Nuhnewiesen (Richard Götte)
Nuhnewiesen (Richard Götte)

Paradies für Wiesenbewohner

Feucht- und Nassgrünland, Ackerterrassen mit Hecken und die Nuhne mit ihrem Galeriewald prägen das Schutzgebiet Nuhnewiesen, das am südlichen Rand der Medebacher Bucht nahe der Stadt Hallenberg liegt. Die Aue weist neben Glatthaferwiesen auch die sonst für Hochlagen typischen Goldhaferwiesen auf. Verantwortlich dafür ist das lokal kühle Klima, das vom Kaltluftstrom aus dem Rothaargebirge und von den mit Wasser durchtränkten Böden beeinflusst wird. Beide Wiesentypen zählen – übrigens nicht nur in Deutschland – zu den besonders gefährdeten Lebensräumen, da sie nur sehr wenig Dünger vertragen. Große Kernbereiche der Nuhnewiesen wurden in das Eigentum der NRW-Stiftung überführt, sodass es möglich war, die wertvollen Mähwiesen wieder naturverträglich zu nutzen.

Angepasst an den langsameren Herzschlag der historischen Landwirtschaft

Die blütenreichen Wiesen der Nuhneaue beherbergen zahlreiche Insekten, wie den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling oder den Mädesüß-Perlmutterfalter. Der erstgenannte Falter hat einen sehr interessanten Lebenslauf, bei dem die Anwesenheit von Ameisen und das Aufblühen des Großen Wiesenknopfes eine entscheidende Rolle einnehmen. Der Wiesenknopf blüht erst sehr spät im Jahr und wird daher bei der heute gängigen Bewirtschaftung stets vor der Blüte abgemäht. Die Wiesenknopf-Vorkommen in den Nuhnewiesen sind also für den Falter überlebenswichtig.
Im ausgehenden Frühjahr blühen im Gebiet die zitronengelbe Trollblume, die Schwarze Teufelskralle und der violette Wald-Storchschnabel, auffällige Charakterarten der sonst montanen Goldhaferwiesen des Sauerlandes. Zum Herbst hin wird die Wiesen-Flockenblume vom ebenfalls lila blühenden Teufelsabbiss abgelöst. Ende August leuchten auf den Feuchtwiesen die rosafarbenen, an Krokusse erinnernden Blüten der Herbstzeitlose. An Wegrainen und Brachen verströmt das weißblütige Große Mädesüß seinen auffälligen Geruch, begleitet von Sumpf- und Kohl-Kratzdistel. Hier lebt auch das Grüne Heupferd, unsere größte heimische Heuschreckenart.

Eine ganz besondere Bedeutung haben die Nuhnewiesen für das seltene Braunkehlchen. Die Art hat hier einen ihrer letzten drei Rückzugsorte in Nordrhein-Westfalen. Da der Wiesenvogel seine Nester auf dem Boden baut, hat er anderswo in der intensiv genutzten Landschaft mit frühen Mahdterminen keine Chance zu brüten. Weitere seltene Vogelarten des Gebietes sind Wiesenpieper, Schwarzkehlchen, Rohrammer und der versteckt lebende Wachtelkönig.

 

Ansprechpartner: Biologische Station Hochsauerlandkreis

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