39 Schanze

Im Jahr 1927 streckte die Kugel eines Wilderers den letzten freilebenden Wisent Europas, doch dank einer kleinen Zuchtpopulation in Zoos und Gehegen gibt es heute wieder wilde Wisente in Wittgenstein.

Schanze (Wisent Welt Wittgenstein e.V.)
Schanze (Wisent Welt Wittgenstein e.V.)

Urige Riesen in weiten Wäldern

Am 11. April 2013 geschah ein kleines Wunder, als eine achtköpfige Wisentherde in die Wälder des Rothaargebirges entlassen wurde. Acht Hauptakteure hatten unter detaillierter wissenschaftlicher Begleitung und stetiger Beteiligung der Öffentlichkeit in einem mehrjährigen Prozess ein Konzept entwickelt, um die großen Pflanzenfresser in die moderne Kulturlandschaft zu integrieren: das Fürstenhaus zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, der Naturschutzverein Taurus Naturentwicklung e.V., das Bundesamt für Naturschutz, die Large Herbivore Foundation, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, das Land Nordrhein-Westfalen, der Kreis Siegen-Wittgenstein und die Stadt Bad Berleburg

Fortan sollen sich die Tiere in einem Aktionsraum von ungefähr 5000 Hektar im Umfeld des Rothaarkamms bewegen, der zu weiten Teilen Prinz Richard zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg gehört und u.a. als FFH-Gebiet „Schanze“ ausgewiesen ist. Um die Tiere innerhalb dieses Areals zu halten, sind ein Management mit GPS-gestützter Überwachung und eine Begrenzung der Herde auf maximal 20 bis 25 Tiere notwendig. Überschüssige Tiere sollen dem europäischen Zuchtprogramm zur Erhaltung des Wisents zur Verfügung gestellt werden.

Schon vor der Ankunft der Wisente waren die Wälder Wittgensteins bekannt für ihren Wildreichtum. Am Waldrand grasende Rehe sind für die Bewohner ein vertrauter Anblick und mit etwas Glück kann man einer Wildschwein-Bache mit ihren Frischlingen begegnen. Sogar Mufflons und Rothirsche mit imposanten Geweihen können hier bewundert werden. Sie sind, wenn sie im Herbst mir kraftvollem Röhren um die Gunst der Hirschkühe buhlen, weitaus leichter zu entdecken als der heimliche Schwarzstorch, der bevorzugt in alten Laubwäldern nistet. Wenn er im Sommer in den Mittelgebirgsbächen nach Nahrung sucht, trifft er unter Umständen auf die leuchtend gelbe Gebirgsstelze, die mit stetig wippenden Schwanz rastlos durchs Ufergestein tänzelt, um Kerbtiere für die hungrigen Jungen zu sammeln. Sie ist dabei nicht schlecht getarnt zwischen den leuchtend gelben Blüten der Sumpf-Dotterblume (Blütezeit April bis Juni) oder den großen Blättern der Gemeinen Pestwurz, die erst nach den markanten rötlich-weißen Blüten-„Kerzen“ (Blütezeit April bis Mai) erscheinen. Diese Farbenpracht wird dezent ergänzt durch die gelblich-grünen Blüten des Gegenblättrigen Milzkrautes (Blütezeit April bis Juni). Sie fallen, ähnlich dem dunkelbraunen Tannenhäher, dem Betrachter nicht sofort ins Auge. Den Häher bemerkt man oft erst aufgrund seiner durchdringenden, schnarrenden Stimme. Er profitiert von der Nähe des Menschen, da er in den Fichtenforsten Samen aus den Zapfen schält oder in den Dörfern die reich behangenen Nusssträucher aufsucht. Dort fliegen quirlige Feldsperlinge oder akrobatische Rauch- und Mehlschwalben um ihn herum, die in den strukturreichen, landwirtschaftlich geprägten Dörfern noch Nahrung und Nistmöglichkeiten finden.

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