41 Grubengelände Littfeld

Nur wenige Pflanzenarten vertragen einen hohen Metallgehalt im Boden. Auf dem ehemaligen Grubengelände bei Littfeld blühen Überlebenskünstler auf. Hier wurde über Jahrhunderte Eisenerz gefördert.

Grubengelände Littfeld (Ursula Siebel)
Grubengelände Littfeld (Ursula Siebel)

Wo einst der Bergbau blühte, schmücken heute seltene Blumen die Landschaft

Zwischen den alten Bergmannsdörfern Littfeld und Müsen liegen die ehemaligen Gruben Anna, Heinrichssegen, Altenberg und Viktoria, die allesamt dem Müsener Bergbaurevier angehörten. Dieses war zeitweise einer der bedeutendsten Eisenlieferanten Deutschlands.
Die ersten Nachweise der Eisenverhüttung im Siegerland stammen aus der frühen La-Tène-Zeit (etwa 500 vor bis 100 nach Christus), als Kelten erzhaltige Gesteinsbrocken sammelten und in Lehmöfen aus ihnen Metalle schmolzen. Aus diesen primitiven Anfängen entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte die Metallgewinnung stetig weiter bis kilometerlange Stollen mit ausgeklügelten Entwässerungssystemen die reichen Erzvorkommen in großer Tiefe erschlossen. Die Eisenhütten in den Tälern extrahierten anschließend aus dem zu Tage geförderte Gestein mit Hilfe von Feuer und Wasser Metalle und den damit einhergehenden enormen Holzhunger mussten die umgebenden Wälder, die sogenannten Hauberge, stillen. Schließlich wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Konkurrenz durch billige, importierte Roherze zu groß, so dass im Siegerland auch die letzten Hüttenfeuer erloschen. Die Gruben bei Littfeld wurden bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geschlossen, doch wurde bis 1965 noch ein Flotationsbetrieb aufrechterhalten. Er diente dazu, die letzten Erzvorkommen aus bereits zu Tage gefördertem, fein zermahlenem Grubenabraum auszuschwemmen.

Noch heute zeugen am Fuße des Ziegenbergs der große Grubenteich und die darüber befindlichen stufenförmigen Halden von der vergangenen Blüte der Montanindustrie. Sie sind selbst Jahrzehnte nach Einstellung des Grubenbetriebes noch weitgehend unbewaldet, da sich im Boden diverse Metalle befinden, die in höheren Konzentrationen nur von spezialisierten Pflanzen, der Galmei-Vegetation, toleriert werden. Zu diesen besonderen Pflanzen gehören die rosa blühende Hallers Grasnelke und das weiße Taubenkropf-Leimkraut. Beide sind in der Lage, mit ihrer starken Pfahlwurzel in den verdichteten, meist trockenen Boden einzudringen und sich so die spärlichen Nährstoffe zu erschließen. Eine weitere Pflanze mit interessanten Wurzeleigenschaften ist die braunrote Stendelwurz, die ebenfalls trockene Standorte bevorzugt. Ihr Wurzelsystem geht eine Symbiose mit Mykorrhiza-Pilzen ein, mit denen sie wichtige Nährstoffe austauscht.

Zwischen den Halden und in den Wäldern plätschern zahlreiche kleine Bäche gen Tal. Sie sind, zusammen mit den alten Grubenteichen, der Lebensraum für ans Wasser angepasste Tier- und Pflanzenarten. Besonders im Juni zeigen sich die Pflanzen von ihrer schönsten Seite, wenn neben den blühenden Galmei-Pflanzen der große Grubenweiher mit den leuchtend gelben Blüten der Teichrosen und Schwertlilien geschmückt ist und die Straße zwischen Müsen und Littfeld von einem Spalier aus prächtigen zart-rosafarbigen Blütentrauben des Gefleckten Knabenkrautes gesäumt wird. Viel früher im Jahr findet dagegen die Wanderung der Amphibien statt. Wenn sich in den ersten milden und feuchten Frühlingsnächten bis zu neun Amphibienarten auf den Weg zu ihren Laichgewässern machen, schützt der Heimatverein Littfeld-Burgholdinghausen e.V. sie durch straßenbegleitende Krötenzäune. Mitunter geht auch der seltene Kammmolch ins Netz. Er ist unser größter heimischer Molch und hat seinen Namen wegen des hohen, gezackten Rückenkamms.

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