47 Gambach und Hirtenwiese

Ein Hauch von Lüneburger Heide: In der Gambach bei Burbach können Besucher die letzte große Wacholderheide des Kreises Siegen-Wittgenstein bewundern.

Gambach (Ursula Siebel)
Gambach (Ursula Siebel)

Hirten und Heilpflanzen in einer Weidelandschaft aus Großvaters Zeiten

Einst bildete die Wacholderheide Gambach oberhalb der Ortschaft Burbach einen durchgehenden Verbindungsgürtel zwischen der Hochfläche des Westerwaldes und dem tiefer gelegenen südlichen Siegerland. Sie diente der Weide und dem Viehtrieb, worauf die Bezeichnung „Hirtenwiese“ für die Waldwiese am südlichen Teil des Rundweges heute noch hindeutet. Noch in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts erstreckte sich die Heidefläche über mehr als 70 Hektar, bevor in den Fünfziger und Sechziger Jahren die kleinbäuerliche Viehhaltung stark zurückging und somit auch der Bedarf für Weideland. In der Folge wurden viele Flächen mit Fichten aufgeforstet oder fielen brach und verbuschten. Die Wacholderheide schrumpfte auf etwa ein Zehntel ihrer ursprünglichen Fläche. Der Initiative der unteren Landschaftsbehörde, des NABU Siegen-Wittgenstein und der Realschule Burbach ist es zu verdanken, dass diese historische Kulturlandschaft nicht vollständig verloren ging, denn ab 1985 wurden die verbliebenen Offenlandbereiche entbuscht und Nadelgehölze entfernt, so dass der ursprüngliche Landschaftscharakter und damit die geschützten Lebensräume erhalten und wieder hergestellt werden konnten.

Prägend für das Gebiet sind die vielgestaltigen Wacholderbüsche, deren Form von einer aufrechten Säule bis zu einem weit ausladenden, durch Schneelast niedergedrückten Busch variieren kann. Wacholder ist ein markantes Kennzeichen von Weidelandschaften, da das Vieh seine stacheligen Nadeln verschmäht und seine Samen zur Keimung offenen Boden brauchen, wie er beispielsweise durch Viehtritt entstehen kann.
Zwischen den Wacholdern breitet sich - bedingt durch kleinräumig wechselnde Bodenverhältnisse von nassen Quellen bis zu trockenen Kuppen - eine vielgestaltige Pflanzendecke aus. Besonders markant sticht hier die Besenheide ins Auge, die zweite namensgebende Pflanze für diesen Lebensraum. Ihre Blüten überziehen im August die Fläche mit einem violetten Schimmer, wenn Preisel- und Heidelbeeren bereits ihre Früchte angesetzt haben. Kurz vor der Heideblüte kann man hier sogar im Juni oder Juli an einigen Stellen zwischen dem seltenen Borstgras das warme Gelb einer alten Heilpflanze entdecken: der Arnika. Begleitet wird sie von den hellgelben, bodennahen Blüten der Blutwurz.
In diesen abwechslungsreichen Biotopen fühlen sich ebenfalls zwei interessante Tierarten wohl: In manchen Jahren brütet auf der Wacholderheide der Neuntöter, der seine Beute von Ansitzwarten aus jagt und sie anschließend auf Dornen spießt. Vor ihm muss sich die Waldeidechse in Acht nehmen. Sie gebärt ihre Jungen lebend und liebt den Wechsel aus trocken-warmen Sonnenplätzen und dichter Grasvegetation, in die sie bei Bedarf flüchten kann.

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