48 Großer Stein

Glühende Lava und zornige Riesen: Die Basaltblockhalde „Großer Stein“  blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück

Großer Stein (Ursula Siebel)
Großer Stein (Ursula Siebel)

Ein Vulkan vor der eigenen Haustür

Über den Ortschaften Holzhausen und Lützeln erhebt sich ein dicht bewaldeter Hügel: Der Große Stein. Er ist das Relikt eines vor langer Zeit erloschenen Vulkans, dessen Lava vor rund 20 Millionen Jahren die Decke aus uralten, devonischen Gesteinsschichten , die vor etwa 370 Millionen Jahren entstanden, durchbrach und nahe der Oberfläche zu kantigen Basaltsäulen erstarrte. Im Laufe der Zeit schälten Wind und Wetter die weicheren Gesteinsarten ab, so dass nur noch der sehr witterungsbeständige Basalt übrig blieb. Doch auch dieser konnte den Naturgewalten nicht dauerhaft trotzen. Frost führte dazu, dass die Säulen gesprengt wurden und sich über die Bergkuppe ergossen. Auf diese Weise entstand die heute noch sichtbare Blockschutthalde.

Wem diese Erklärung zu wissenschaftlich erscheint, der sei auf die Sage über den Hickengrund verwiesen. Sie berichtet, dass auf dem Großen Stein einst Riesen hausten. Sie brieten dort wilde Tiere über dem Feuer, das aus der Erde kam und bewarfen sich mit mannsgroßen Kegeln aus Basalt. Die Brocken flogen bis hinunter zum Bach im Hickengrund.

Die Böden des Rheinischen Schiefergebirges sind in weiten Teilen sauer und nährstoffarm, bedingt durch die Ausgangsgesteine Tonschiefer, Grauwacke und Sandstein. In dieser Umgebung bildet der am Großen Stein entstandene, nährstoffreichere Basaltkegel eine seltene Ausnahme, die sich in seiner Vegetation widerspiegelt. Über eine kurze Distanz wechseln die Nährstoffverhältnisse rasant: Je weiter man sich von der Halde entfernt, desto basenärmer und damit saurer wird der Untergrund. Es stellt sich der typische natürlich vorkommende Waldtyp des Rothaargebirges ein, der artenarme Hainsimsen-Buchenwald. Im direkten Umfeld der Basaltblöcke aber gedeiht ein nährstoffbedürftiger, in Nordrhein-Westfalen sehr seltener Edellaubholzwald aus Berg-Ahorn, Esche und Sommer-Linde sowie vereinzelt Spitz-Ahorn. Sogar einzelne Berg-Ulmen sind hier noch zu finden. Diese Baumart ist in unseren Wäldern sehr selten geworden, weil sie häufig von einem Pilz befallen wird. Besonders vor dem Laubaustrieb zeigt sich der Blockschuttwald von seiner schönsten Seite, wenn die Frühjahrsblüher nach dem Winter heiß ersehnte erste Farbakzente setzen: Busch- und Gelbes Windröschen recken ihre strahlenförmigen Blüten der Frühjahrssonne entgegen und an einigen Stellen kann man sogar die weißen und lila Blütentrauben des Hohlen Lerchensporns entdecken oder die seltenen Glockenblüten des Märzbechers bewundern. Die Halde selbst ist frei von Bäumen und beherbergt zahlreiche Moos- und Flechtenarten. Da sich zwischen den Gesteinsbrocken auf dem steilen Hang oberflächennah keine Feinerde ansammeln kann, haben höhere Pflanzen Schwierigkeiten, hier Fuß zu fassen.

Auch für Spechte stellen die Hochwälder um den Großen Stein ein Paradies dar. Alle sechs in Nordrhein-Westfalen heimischen Spechtarten, vom spatzengroßen Kleinspecht bis zum krähengroßen Schwarzspecht, zimmern hier ihre Höhlen, die nach der Brut auch zahlreichen anderen Tierarten wie Käuzen, Hohltauben und Waldfledermäusen als Unterschlupf dienen. In manchen Jahren brüten geschützt in den Baumkronen sogar Rotmilane, die von hier aus ihre Nahrungsflüge ins nahegelegene Wetterbachtal starten. Für ihre Erhaltung trägt Deutschland eine besondere Verantwortung, da mehr als die Hälfte des weltweiten Bestandes bei uns beheimatet ist.

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