04 Wälder um Welver

Inmitten einer agrarisch geprägten Landschaft liegt mit mehr als 300 Hektar Fläche der größte zusammenhängende naturnahe Laubwald der Unterbörde.

Wälder um Welver (Luise Hauswirth)
Wälder um Welver (Luise Hauswirth)

Naturnahe Laubwälder am historischen Ortsrand

Nördlich und östlich des Ortes Welver am Rande der Münsterländer Bucht liegen naturnahe Laubwälder um Welver, von denen Teile die klangvollen Namen „Kuhholz“, „Klosterholz“ und „Mühlenholz“ tragen. Diese Namen sagen viel über die Entstehung und Geschichte des Waldes aus. Wälder haben hier einen besonderen ökologischen Wert, denn die Umgebung, die Soester Börde, wurde aufgrund ihrer hochwertigen Böden schon immer überwiegend landwirtschaftlich genutzt und weist deshalb heute nur noch einen geringen Waldanteil auf.  Aufgrund ihrer Naturnähe in großen Teilbereichen sind die Wälder um Welver durch die europäische Naturschutzrichtlinie Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) besonders geschützt. 2013 wurde östlich von Kirchwelver ein Teil des Waldes vollständig aus der forstlichen Nutzung genommen und bekam dadurch den Sonderstatus eines „Wildnisgebietes“.

Unterschiedliche Standorte - Unterschiedliche Waldbilder

Verschiedene Standorte, unterschiedliche Nutzungsformen oder Entwicklungsstufen bringen in Welver ganz unterschiedliche Waldbilder hervor. Besonders eindrucksvoll sind die Bereiche mit alten Baumveteranen im Bereich nördlich Kirchwelver (Klosterholz). Sie sind wahrscheinlich noch Relikte vergangener Jahrhunderte, als Wälder auch noch eine große Bedeutung als Viehweiden hatten. Große Teile der Wälder um Welver haben aufgrund ihrer Naturnähe den Jahrhundertsturm Kyrill 2007 nahezu folgenlos überstanden. Besonders die Buchen- und Eichen-Hainbuchenwälder mit ihren Altbäumen und Totholz bieten zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Hier kann unser größter Greifvogel, der Rotmilan, in den Kronen mächtiger Eichen seinen Horst bauen oder der Schwarzspecht eine Baumhöhle zimmern. Nördlich Kirchwelver zeigen verwilderte Heilpflanzen wie das Kleine Immergrün die mittelalterliche Nutzung als Klosterwald an. In einem Bereich des alten Waldes befindet sich seit Jahren eine Brutkolonie des Graureihers.

Es gibt hier zu jeder Jahreszeit etwas zu entdecken. Ganz besonders attraktiv ist der Wald zwischen März und Juni, wenn die Frühjahrsblüher die guten Lichtverhältnisse vor dem Blattaustrieb der Bäume nutzen. Buschwindröschen, Aronstab und Hohe Schlüsselblume machen den Wald jetzt zu einem besonderen Erlebnis. Dies ist auch die Zeit höchster Gesangsaktivität der zahlreichen Vogelarten wie Kleiber, Grünspecht oder Waldbaumläufer. Etwas später bemühen sich Nachtigall oder Pirol um Aufmerksamkeit.

Mancherorts bilden abwechslungsreiche Waldränder und Waldsäume die Grenze zum Offenland. Teile des Waldes sowie benachbarte Grünlandflächen weisen heute noch einen hohen Grundwasserstand auf. Hier liegen kleine Teiche, in denen seltene Amphibienarten wie Laubfrosch und Kammmolch leben. Einige tief eingeschnittene Fließgewässer im Wald bewirken eine Entwässerung angrenzender Flächen.

Ansprechpartner: Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e.V.

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