05 Woeste

Das kleine Niedermoor inmitten der Hellwegbörde ist ein Magnet für Wat- und Wasservögel.

Das Konzert der zahlreichen Laubfrösche ist im Frühling und Sommer schon von weitem zu hören.

Woeste bei Ostinghausen (Ralf Joest)
Woeste bei Ostinghausen (Ralf Joest)

Lebensraum für Wasser- und Watvögel inmitten der Börde

Wie eine Schüssel liegt die Woeste bei Ostinghausen nördlich von Bad Sassendorf zwischen dem Zusammenfluss von Ahse und Woestebach. Das etwa 50 Hektar große Gebiet ist eines der wenigen verbliebenen Niedermoore der Region. Wegen seines kalkhaltigen Untergrunds spricht man auch von einem Kalkflachmoor. Solche Kalkflachmoore sind in Norddeutschland selten.

Die Woeste hat einen hohen Grundwasserstand, ihre Torfschicht ist bis zu zwei Meter dick und von weißen Wiesenkalkbändern durchzogen. Durch Gräben wurde das Gebiet entwässert und zu Grünland oder Acker umgewandelt und seit 1971 von der Saline Bad Sassendorf zur Moorgewinnung für den Badebetrieb genutzt. Durch diese Nutzung hatte die Woeste zwar zwischenzeitlich ihren ursprünglichen Charakter weitgehend verloren. Seit 1998 jedoch wird der östliche Gebietsteil durch Stau des zentralen Entwässerungsgrabens aber wieder mit Wasser versorgt. Mit seinem abwechslungsreichen Mosaik aus Flachwasser- und Überschwemmungszonen, Moortaschen, Teichen, Röhrichten und feuchtem Grünland hat sich die Woeste wieder zu einem wichtigen Lebensraum entwickelt. 

Ein Magnet für Vögel

In diesem Jahr brüteten erstmalig Weißstörche im Gebiet, nachdem im Vorjahr aktive Bürger einen Nistplatz bei Bettinghausen angelegt hatten. Leider blieb der Brutversuch erfolglos. Die Vögel waren noch sehr jung, einer war erst 2013 bei Coesfeld als Jungvogel beringt worden. In der Regel sind Störche aber erst mit drei bis vier Jahren voll geschlechtsreif. Die Aufgabe im ersten Jahr gefährdet die Ansiedlung im kommenden Jahr nicht. Die Störche haben das Nest angenommen und "die Umgebung kennengerlernt". Daher ist mit der Rückkehr der langlebigen Störche durchaus zu rechnen.

Grau- und Silberreiher sind hier regelmäßig zu beobachten. Auch die Graugänse und Kanadagänse sind regelmäßige Brut- und Rastvögel und nutzten die umliegenden Felder für die Nahrungssuche. Im Winter können gelegentlich auch nordische Gäste wie Bläß- oder Saatgänse beobachtet werden. Krickenten sind ebenfalls im Winter anzutreffen. Im Frühling kommen die bunten Schnatterenten, Spießenten, Knäkenten und Löffelenten dazu. Seitdem die Woeste wieder ausreichend mit Wasser versorgt wird, brüten jährlich einige Paare der Schnatterente, der Knäkente und der Löffelente im Gebiet. Unter den Rallen brüten neben Teich- und Bläßralle auch Wasserrallen im Uferröhricht. Diese heimlichen Vögel sieht man jedoch in der Regel nicht. Watvögel, wie Kiebitz, Bekassine und Bruchwasserläufer nutzen die Woeste regelmäßig als Rastplatz. Regelmäßig kann man beobachten. Dazu kommen beinahe alljährlich im Frühjahr und Herbst auch seltenere Arten wie Dunkle Wasserläufer, Rotschenkel oder die kleineren Strandläufer.

Die Rohrweihe ist regelmäßiger Brutvogel der Woeste. Weitere Greifvögel wie Rotmilan, Korn- und Wiesenweihe und Baumfalken besuchen das Gebiet zur Nahrungssuche. Zu den typischen Singvögeln zählen Rohrammer, Teichrohrsänger und Feldschwirl, dessen heuschreckenähnlicher Gesang in schönen Frühsommernächten zu hören ist. Als Gäste kommen Braunkehlchen, Steinschmätzer, Wiesenpieper und der hier überwinternde Bergpieper vor. In manchen Wintern bezieht auch der Raubwürger hier sein Revier.

An warmen Frühlingsabenden ist das Konzert der Laubfrösche weit zu hören. Die Woeste beherbergt heute eines der größten Vorkommen der Art im Kreis Soest. Auch Insekten wie Libellen und verschiedene Heuschrecken der Feuchtgebiete bietet sie einen Lebensraum.

Ansprechpartner: Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e.V.

-