09 Lörmecketal

Schroffe Kalksteinfelsen, alte Wälder und bunte magere Weiden - das zu einer Schlucht verengte Tal der unteren Lörmecke vereinigt unterschiedliche Lebensräume.

Artenvielfalt im Einsturztal

Das im Erdaltertum zur Zeit des Devonmeeres gebildete Kalksteinmassiv ist mit rund 380 Millionen Jahren das älteste Gestein im Gebiet und liegt quer zur Hauptfließrichtung der Lörmecke. Die großflächigen Kalksteinvorkommen lagen einst wie eine Barriere quer zur „Ur-Lörmecke“ und wurden vom kalklösenden Wasser des Baches so lange ausgehöhlt, bis das Kluft- und Höhlensystem über eine längere Strecke einbrach. Besonders eindrucksvoll ausgeformt ist das Einsturztal im Bereich des „Hohen Steins“. Hier wurde eine rund 30 Meter hohe, steil aufragende Felswand freipräpariert und eine mächtige Schutthalde aus lockerem Kalkgestein abgelagert. Die Kulturhöhle „Hohler Stein“ zeugt ebenfalls von der Kraft des Lörmeckewassers, das einst die Höhle durchfloss und seitdem einen weiter westlich verlaufenden und tiefer eingeschnittenen Weg genommen hat. Das Gebiet verdankt seinen heutigen Charakter jedoch nicht nur besonderen geologischen Gegebenheiten, sondern auch historischen Nutzungsformen. Das Zusammenwirken dieser beiden Faktoren hat zur Entwicklung der vielfältigen Lebensräume und ihrer speziell angepassten Lebensgemeinschaften geführt.

Am Hohen Stein ist auch ein besonders schöner Ausschnitt dieser historisch gewachsenen Kulturlandschaft erhalten geblieben. Charakteristisches Merkmal der alten Hutelandschaft und zudem von hohem landschaftsästhetischem Reiz sind die stattlichen Rotbuchen auf den Schutthängen und Felskronen. Es handelt sich dabei um so genannte Weidbuchen: Der Verbiss durch das Vieh führt zur Entwicklung einer besonderen Wuchsform.

Die untere Lörmecke ist ein Tal mit zwei Gesichtern, die auf eine unterschiedliche Nutzungshistorie hinweisen und durch den Bachlauf  als Gemarkungsgrenze getrennt werden. Auf der westlichen Talseite wachsen alte, herrschaftliche Laubwälder, die überwiegend aus Buchen bestehen. Die Wälder sind im Frühjahr mit ihrer Vielfalt an Frühjahrsblühern besonders bunt.
Die Gehölzbestände auf der östlichen Talseite sind dagegen jünger: Noch vor weniger als 100 Jahren waren die Hänge waldfrei, die Ziegen der nahen Ortschaft Kallenhardt weideten hier.
Ein weiteres Indiz für die seit Jahrhunderten genutzte Kulturlandschaft sind die Hangterrassen (4), die zur besseren Bewirtschaftung der steilen Hanglagen angelegt und teilweise sogar mit Trockenmauern aus Kalkblöcken abgestützt wurden. Möglicherweise wurde an dieser Stelle einst Wein angebaut, der plattdeutsche Flurname „Wuinbärg“ (= Weinberg) deutet auf diesen Sachverhalt hin.

Ein Blick über den Talrand zeigt, dass das Lörmecketal von großen, vorrückenden Steinbrüchen bedrängt wird. Lediglich ein schmaler Korridor wurde als Schutzgebiet (Naturschutz- und FFH-Gebiet) ausgewiesen.

Ansprechpartner: Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e.V.

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