Geburtshelferkröte

Die Emanzipierte mit den schönen Augen

Geburtshelferkröte (Henning Vierhaus)
Geburtshelferkröte (Henning Vierhaus)

Melodische Rufe in der Nacht

Viele Leute sind wahrscheinlich schon Geburtshelferkröten (Alytes obstetricans) begegnet, ohne es zu wissen, denn die Winzlinge mit den goldenen Augen bleiben gerne in Deckung. Ihr melodischer Ruf, der ihnen auch den Namen Glockenfrosch oder Steinklimper eingebracht hat, verrät jedoch ab März bis in den Sommer hinein v.a. nachts ihre Anwesenheit. Manch beschwingt von einem Sommerfest heimwärts gehender Passant wird sich schon gefragt haben, wem die sanfte Stimme gehört, die im Dunkeln schüchtern aus einem Gebüsch oder Steinhaufen zu hören ist.

Während Grasfrösche und Erdkröten im Frühjahr massenhaft zu den Laichgewässern pilgern, paaren sich die nur drei bis fünf Zentimeter großen Geburtshelferkröten versteckt an Land. Bei ihnen wird Emanzipation groß geschrieben, denn das Männchen wird mit der Brutpflege beauftragt. Nach dem Paarungsakt, der einer komplizierten Choreographie folgt, wickelt es sich die befruchteten Eischnüre um die Hinterbeine und trägt diese bis zu sechs Wochen mit sich herum. In dieser Zeit wachsen die Larven in den Eiern heran. Erst wenn sie schlupfbereit sind, sucht das Männchen kurz ein Gewässer auf, um sich seines „Rucksacks“ zu entledigen. Die meiste Zeit ihres Lebens verbringen Geburtshelferkröten an Land.

Bezüglich des Laichortes sind sie nicht sehr wählerisch. Etwas tiefere, strömungsarme Stillwasserbereiche in Bächen können genauso genutzt werden wie wassergefüllte Wagenspuren oder Tümpel. Wichtig ist die Nähe zu Tagesverstecken, weshalb Steinbrüche oder Kiesgruben ein beliebter Lebensraum sind. Je nach äußeren Bedingungen wie z.B. Wärme des Gewässers oder Zeitpunkt des Ablaichens verläuft die Larvenentwicklung unterschiedlich schnell, so dass die Jungkröten entweder noch im gleichen oder erst im darauffolgenden Jahr das Laichgewässer verlassen.

Im Kreis Soest mit der offenen, flachen Hellwegbörde befindet sich die Geburtshelferkröte an ihrer nördlichen Verbreitungsgrenze, denn sie fühlt sich v.a. im Mittelgebirge wohl.

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