Orchideen

Wunderschöne Seltenheiten

Überlebenskünstler mit Hilfe von Pilzen

Die Pflanzenfamilie der Orchideen hat weltweit an die 30.000 Arten. Auch in Mitteleuropa gibt es wilde Orchideen. Sie reagieren sehr empfindlich auf Veränderungen ihres Lebensraumes und sind damit wichtige Indikatoren für den Zustand der Natur. In Nordrhein-Westfalen kommen rund 40 wild wachsende Orchideenarten vor.

Kennzeichnend für Orchideen ist ihre besondere Blüte. Dies hat nur eine Spiegelachse, d.h. es gibt ein „Oben“ und „Unten“ - anders als z.B. bei einem Gänseblümchen. Die Pollen werden den Blütenbesuchern meist nicht als einzelne Körner, sondern als Paket, aufgeklebt.  Einige Orchideenarten haben ganz spezielle Anpassungen an ihre Bestäuber entwickelt. So ähnelt die Blüte der heimischen Fliegen-Ragwurz dem Weibchen einer bestimmten Wespenart. Das Insektenmännchen bekommt bei dem Versuch, das Weibchen zu begatten, ein Pollenpaket aufgeklebt. Der in schattigen Laubwäldern gedeihende Europäische Frauenschuh lockt seine Bestäuber mit einem aprikosenähnlichen Duft in die zu einer Kesselfalle umgestaltete Blüte. Beim vorgegebenen Weg aus der Falle kommt es zur Bestäubung.

Die winzigen Samen der Orchideen werden vom Wind davongetragen. Sie bieten dem Keimling kaum Reservestoffe zum Wachsen, daher muss ein sogenannter Ammenpilz vor Ort sein. Dieser wächst in die Wurzel des Keimlings und versorgt dann die junge Orchidee.

Manche Arten kommen später ohne den Pilz aus, andere, wie die heimische Nestwurz oder auch die Korallenwurz, bilden kein oder nur wenig Chlorophyll und sind dauernd auf die Versorgung durch den Pilz angewiesen.

Solche speziell angepasste Arten sind besonders anfällig gegenüber Veränderungen ihrer Standorte oder dem Ausbleiben ihrer speziellen Bestäuber. Weniger spezialisierte Arten, wie das Breitblättrige und das Gefleckte Knabenkraut oder die Grünliche Waldhyazinthe kommen noch etwas häufiger vor. Allen Orchideen gemeinsam ist aber, dass sie Licht lieben und daher am besten auf nährstoffarmen Standorten wachsen, die in unserer heutigen intensiv genutzten Landschaft nur noch selten vorkommen. Dadurch sind alle Orchideen bei uns akut gefährdet.

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