Taurusrinder und Heckrinder

Ins Gras beißen für den Naturschutz

Rinder in der Lippeaue (Joachim Drüke)
Rinder in der Lippeaue (Joachim Drüke)

Nach dem Abbild des Auerochsen und Wildpferdes

In Mitteleuropa existierte einst eine vielgestaltige Naturlandschaft, die nicht nur durch Klima, Wasser, Bodenbeschaffenheit und die Vegetation, sondern auch durch den Einfluss großer Pflanzenfresser geprägt wurde. Von geschlossenen Wäldern bis hin zu parkartigen und offenen, fast baumfreien Gebieten gab es alle Übergänge. Die großen Weidetiere nahmen aufgrund ihrer Wechselwirkungen mit der Vegetation eine Schlüsselrolle innerhalb der Ökosysteme ein und schufen die Existenzgrundlagen für viele andere Tier- und Pflanzenarten. Auerochse, Pferd, Wisent, Elch und Hirsch gehörten zu den Arten, die die Landschaft gestalteten.

Um 1920 begannen die Gebrüder Heck damit, durch Kreuzungen von Hausrinderrassen Tiere zu züchten, die dem einstigen Auerochsen nahekommen sollten. Man spricht von einer Abbildzüchtung. Das Ergebnis sind Heckrinder, die dem Auerochsen schon sehr ähnlich sehen, aber mit einer Widerristhöhe der Stiere von maximal 1,50 m wesentlich kleiner bleiben. Aus Kreuzungen der Heckrinder mit alten Rinderrassen entstanden die Taurusrinder, deren Zucht 1996 von der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest in der Lippeaue begonnen wurde und an der sich inzwischen mehrere Zuchtgruppen beteiligen. Einzelne Bullen erreichen inzwischen mit Schulterhöhen von 1,65 m und Gewichten von bis zu 1400 kg etwa die Größe ihres ausgestorbenen Vorfahren.

In einigen Naturschutzgebieten weiden heute wieder solche großen Pflanzenfresser. Neben den Rindern werden auch Pferde in Naturschutzgebieten eingesetzt, um halboffene Weidelandschaften zu erhalten oder zu entwickeln. Es entsteht ein Mosaik von Lebensräumen. Von lichten Wäldern und Gebüschen, über Hochstaudenfluren und Weiderasen bis hin zu offenen Bodenstellen reicht die Palette. Tränken und Suhlen, sowie von den Tieren oft genutzte Wechsel bilden Sonderstandorte. So können licht- und wärmebedürftige Tier- und Pflanzenarten von der Beweidung profitieren. Heck- und Taurusrinder sind robust und pflegeleicht und können ganzjährig im Freien leben.

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